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Wirbelsäule: klein und gefährlich

Kleine Veränderungen in den Bilddaten können auf schwerwiegende Erkrankungen hinweisen. Der aktuelle Fallbericht zeigt, wie ein kleines Detail über das weitere Leben entscheidet.

Ein Orthopäde schickt einen älteren Herrn zur Magnetresonanztomographie (MRT) der Lendenwirbelsäule, weil er immer wieder diffuse Rückenschmerzen hat. Die MRT ist sehr gut geeignet, um die sämtliche Teile der Wirbelsäule wie Wirbelkörper, Bandscheiben, Rückenmark, Spinalkanal (der von Knochen umgebene Raum, in dem sich das Rückenmark und die abgehenden Nerven befinden) Zwischenwirbelgelenke und Nervenwurzeln darzustellen. In vielen Fällen finden sich Bandscheibenvorwölbungen, die Nervenwurzeln reizen können, Abnutzungserscheinung von Zwischenwirbelgelenken oder Engen von Nervenaustrittsstellen, wodurch Rückenschmerzen gut erklärt werden können.

Mit den Rückenschmerzen des älteren Herren verhielt es sich jedoch anders, denn wir konnten keine der genannten typischen Veränderungen an der Wirbelsäule finden, wodurch die Beschwerden des älteren Herrn erklärt worden wären. Allerdings fand sich eine Auffälligkeit außerhalb der Wirbelsäule in einem Areal, das zufällig miterfasst wurde. So haben wir eine unscheinbare Veränderung der rechten Niere entdeckt, die zwar einer Nierenzyste ähnelte, aber eben alle typischen Merkmale aufwies (Abb. 1). Diese Konstellation war hochgradig verdächtig für einen bestimmten Nierentumor: Das Nierenzellkarzinom, ein schnell wachsender und aggressiver Tumor. Es war also eine zügige Diagnostik notwendig. Der Patient wurde daraufhin umgehend genauer untersucht und der Verdacht des Nierentumors erhärtete sich (Abb. 2). In der Folge wurde der Patient operiert und der Tumor aus der Niere entfernt. Die histologische Untersuchung des Gewebes bestätigte tatsächlich die Verdachtsdiagnose des Nierenzellkarzinoms.

Abb. 1: MRT. Ansicht der Lendenwirbelsäule von vorne (coronare T2 TIRM-Sequenz).
Abb. 2: CT. Querschnitt des Bauchraumes auf Niveau der Niere. Der Tumor ist rot markiert.
Abb. 3: CT nach operativer Entfernung des Tumors. Querschnitt des Bauchraumes auf Niveau der Niere.

Dieser Fall zeigt eindrücklich, wie wichtig es ist, sämtliche Areale einer bildgebenden Untersuchung zu analysieren – auch dann, wenn sie nicht Teil der eigentlichen Fragestellung sind.

Dazu ist neben der entsprechenden Expertise insbesondere die verfügbare Zeit pro Befund ein grundlegender Faktor, der es überhaupt erst ermöglicht, die Daten über die eigentliche Fragestellung hinaus zu begutachten. Radiologic Reviews räumt dem Faktor Zeit einen hohen Stellenwert ein, denn nur so können wir unser Credo realisieren: Wir von Radiologic Reviews sehen das ärztliche Handeln als Kunst an.